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Schnappsidee

Die Schnapsidee der Siegerehrung bei der Breslau Rallye 2006 wurde endlich mit dem ersehnten Erfolg belohnt…die Überquerung der Zielrampe der Dakar Rallye 2010.

So schnell wie die Entscheidung, die Teilnahme zu versuchen ging, ließ sich der Erfolg allerdings nicht herstellen. Der erste Start 2008 wurde durch die überraschende Absage kurz vor dem Start in Lissabon vereitelt. Für mich war das eine unglaubliche Enttäuschung, ich war so stolz, es an den Start geschafft zu haben und freute mich riesig darauf, mich endlich ins Abenteuer zu stürzen. Unverrichteter Dinge musste ich wieder nach Hause reisen.

Aber von Natur aus als unerschütterliche Optimistin unterwegs war ich bald wieder mit den Vorbereitungen für die nächste Dakar beschäftigt. Diese sollte zum ersten Mal in Südamerika stattfinden. Zu den normalen Fragen, was die Teilnehmer wohl auf der Strecke erwarten könnte, kommen bei dieser neuen Dakar auch Fragen wie z.B. Wie verhalten sich die Fahrzeuge bei den Andenüberquerungen in großer Höhe? Wie können wir die Höhenunterschiede während einer Etappe optimal fahren? Wie reagiert mein Körper auf die Höhe, werde ich unter der Höhenkrankheit leiden? Die Frage nach der Streckenführung hingegen war nur für die Profiteams interessant, für die Amateure sind diese Informationen nicht so spannend.
Mein Motorrad in der Höhe zu testen war mir leider nicht vergönnt, mit technischem Defekt musste ich 5 Kilometer vor dem Ende der 2. Wertungsetappe mein Rennen beenden.
Deprimiert über den frühen Ausstieg aber körperlich unverletzt setze ich meine Reise in verschiedenen Service-Trucks fort. Mich zu Hause zu verstecken wäre für mich nicht in Frage gekommen. Meine Traumreise war bezahlt, ich wollte wenigstens die restliche Zeit dabei sein. Obwohl es manchmal hart war, den anderen bei ihrem Rennen zuzusehen.
Meine neu gewonnene freie Zeit nutzte ich, um Kontakte zu knüpfen, mir Tipps von den anderen Teams zu holen und einen Freund bei seinem Rennen zu unterstützen. Er war ohne Mechaniker unterwegs und kam fast immer erst mitten in der Nacht ins Bivouac. Dann habe ich für ihn die Wartung seiner Rallye KTM übernommen, damit er etwas mehr Schlaf bekam.
Auch kam ich in den Genuss der Liebe der Zuschauer. Sie sind absolut begeistert, von der ganzen Rallye. Für sie sind dabei alle gleich wichtig, Fahrer, Mechaniker, Servicecrews – alle dürfen Autogramme verteilen und bekommen die Woge des Jubels zu spüren. Eigentlich auch nur gerecht, denn ohne ein gut arbeitendes Team wäre kaum ein Rennfahrer in der Lage, ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Bei meinem dritten Dakar Start für das HS Rallye Team übernimmt Thorsten Kaiser mit seinem Team die Servicearbeiten an meinem Motorrad.
Die “Buben” sorgen jede Nacht dafür, dass ich am nächsten Morgen mit einem fast neuen Bike an den Start fahren kann. Und ich versuche dafür jeden Tag konstant zu fahren, keine Stürze zu riskieren und es heil ins Etappenziel zu schaffen. Dieser Plan gelingt fast immer. Ich habe nur 2 Tage, an denen ich oft, aber harmlos stürze, fast immer mit einem Handstand über den Lenker, denn es sind Stürze im Sand. Unerwartet weiche Untiefen verursachen ziemlich abrupte Stopps der Motorräder und katapultieren die Fahrer vors Vorderrad. Dennoch leidet das Material ziemlich, an einem Tag verliere ich einen der Hecktanks, da die Schweißnähte durch die Dauervibrationen gebrochen waren. Das war dann aber auch der einzige Werkzeugeinsatz, den ich während der 14 Fahrtage hatte, der Benzinschlauch musste durchtrennt werden, damit ich den Sprit in die vorderen Tanks umfüllen und den Tank auf dem Heck befestigen konnte. Glücklicherweise stand nur einen Kilometer weiter ein Pressefahrzeug, dem ich mein Gepäck mitgeben konnte. Ansonsten hätte ich ihn sicher irgendwann für die Souvenirjäger zurückgelassen. Wie steinig die Etappen waren konnte Thorsten immer an den Felgen ablesen. Und an den verbogenen Bremsscheiben, drei Stück habe ich auf dem Gewissen, soviel wie nie.
Aber Bremsen werden sowieso überbewertet…ich musste 180 Kilometer einer bergigen Etappe ohne Hinterradbremse auskommen und kann dazu nur sagen, nach anfänglichen Adrenalinausstößen gewöhnt man sich daran. Beim Versuch, irgendwo eine Lücke zu finden, um ein vorausfahrendes Quad zu überholen wurde ich in einer Kurve abgedrängt und angesichts der schnell näher kommenden Kakteen entschied ich mich, mein Bike allein in die Stacheln zu schicken. Dort zog ich es wieder raus und setzte meinen Weg fort. Bis zur nächsten Kurve, da funktionierte die Bremse plötzlich nicht mehr. Ich konnte die Kurve grade noch so meistern und suchte dann nach dem Problem, konnte es aber nicht finden.
Nach langem Suchen konnten meine Mechaniker abends herausfinden, dass ich bei dem Ausflug in die Kakteen wohl einen kleinen Stein an der Leitung bei der Bremspumpe verklemmt hatte und mit dem nächsten Einfedern die runde Befestigung zu einem Ei verbogen hatte. Durch die daraus resultierende Undichtigkeit ließ sich kein Druck mehr aufbauen, wodurch die Bremse funktionsunfähig war. Problem erkannt, Problem gebannt – blieb mir am nächsten Tag, mich wieder daran zu gewöhnen, die Fußbremse einzusetzen.

Während der Fahrt kommen regelmäßig Zweifel auf, wie konnte ich bloß auf die Idee kommen, mir so eine Tortour zuzumuten? Und dann auch noch soviel Geld dafür ausgeben. Aber die Zuschauer, die unterwegs fast überall und sei es noch so entlegen, wüst und öde, mit vollem Körpereinsatz und unglaublicher Begeisterung ihren Helden zujubeln, die entschädigen für alle Mühen und Leiden, die wir durchleben. Sie geben Motivationshilfe, wenn die eigene auf unter Null gesunken ist. Außerdem versorgen sie mit ganz praktischen Dingen, die wir Motorradfahrer nicht unendlich transportieren können: Snacks, gekühlte Getränke und Benzin. Ihr einziger Lohn dafür, dreckige Gesichter auf verwackelten Handyfotos.
Die Motorsportbegeisterung kennt in Südamerika kaum Grenzen.

Knapp dahinter kommt sicher die Leidenschaft für Pferde, die, ich muss mich outen, mich auch gepackt hat. Schuld daran ist mein kurzer Wechsel auf 1 PS, als mein Motorrad für kurze Zeit einen Hitzekollaps erlitten hatte. Davon, dass es nur vorübergehend sein könnte, ahnte ich nichts und machte mich auf dem Rücken eines Pferdes auf den Weg ins nahe gelegene Bivouac bei Fiambala. Natürlich war es mir schrecklich peinlich, in voller Motorradklamotte dort aufzuschlagen, aber andererseits wollte ich nichts unversucht lassen, um im Rennen zu bleiben. Auf die moderne Technik war kein Verlass, mein Telefon hatte keinen Empfang, also musste ich einen anderen Weg finden, um mit mein Mechaniker gemeinsam zurück zum Bike zu kommen, damit er mir Tipps zur Wiederbelebung geben konnte. Als wir dort eintrafen funktionierte sie beim ersten Versuch wieder und ich setzte meine Etappe fort.
Kreuz und quer durch die überall mit offener Motorhaube in den Wind geparkten Autos mitten in die Dünen. Dort fand ich Tamsin Jones, deren Bike ebenfalls Probleme hatte. Sie kam keine Düne mehr hoch. Nachdem ich grade erst mein deja-vú vom letzten Jahr verarbeitet hatte konnte ich sie nicht einfach in diesem Dünenkessel sitzen lassen und gemeinsam setzten wir unseren Weg fort. Außerhalb der Dünen, dabei verpassten wir 3 Wegpunkte, wofür ich 20 Stunden Strafzeit erhielt.
Mit 25 ausgeschiedenen Bikes war dies wohl die härteste Etappe der Dakar 2010. Wir aber blieben im Rennen, kämpften uns jeden Tag ins Ziel, durchquerten wahnsinnig eindrucksvolle Landschaften und zum Teil extrem eintönige, endlose Pisten.
Super anstrengend waren auch jeden Tag aufs neue die Verbindungsetappen, man rutscht von einer Seite der Sitzbank auf die andere, immer auf der Suche nach einer einigermaßen bequemen Haltung.
Spannend waren da nur die Andenpassagen, überwältigende Panoramen, riesige Berge, einfach atemberaubend. Halsbrecherisch unterwegs dabei die uns entgegenkommenden LKW-Fahrer, mitten im „Stilfser Joch“ mit Kippe im Mund, das Handy fürs Foto am Arm aus dem Fenster gestreckt, um die Haarnadelkurven düsend…da habe ich mich ein paar Mal schon im Abgrund gesehen.

Doch ich erreichte das Ziel fast ohne Blessuren, von den Schwielen an Händen und Hintern muss ich nicht weiter berichten. Die Überquerung des Podiums entschädigte mich für alle Mühen auf dem Weg dorthin. Ein großartiges Erlebnis, diese fast 9.000 Kilometer tatsächlich bewältigt zu haben.
Auch wenn ich allein auf dem Bike saß, der Gedanke an alle, die mich von zu Hause aus in Gedanken begleitet und die meinen Iritrack überwacht haben, hat mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mich bei meinem Erfolg unterstützt.
Mein Dank geht also nicht nur an mein tolles Team sondern auch an jeden von euch.

Südamerikanische Leidenschaft

Wie schnell die Zeit vergeht, mittlerweile sind alle Berichte, die ich über mein Dakar Abenteuer geschrieben habe, veröffentlicht, ich kann sie jetzt also auch hier posten.

Südamerikanische Leidenschaft

Wenn man die erste Dakar in Südamerika erlebt hat, dann ist der zweite Start vergleichsweise gut organisiert. Die überbrodelnde Leidenschaft der Zuschauer hinter Absperrgittern verbannt, fast jeder direkte Kontakt mit der jubelnden Menge ausgeschlossen. Dennoch, 300.000 Zuschauer am Start in Buenos Aires sorgen erneut für Gänsehaut. Bei uns in Europa wird der Enduro- und Rallyesport als nicht für Zuschauer interessant angesehen, die Argentinier und Chilenen beweisen uns täglich das absolute Gegenteil.

Ist die Anfahrt auch noch so unwegsam, die Hitze noch so unerträglich, fast überall finden sich jubelnde Zuschauer, die zum Teil schon am Abend vorher anreisen und campen mussten, damit sie ihre Helden anfeuern können. Und nicht nur unter den Rallyefahrern geht es zu, wie in einer großen Familie, auch bei der riesigen Fangemeinde handelt es sich um eine Familienangelegenheit. Mit Kind und Kegel wird der Ausflug an die Rennstrecke unternommen, gekühlte Getränke, Snacks und Barbecue sind immer dabei und aus dem Nichts entstehen kleine Bivouacs mit Sonnensegel und Klappstühlen, so dicht wie möglich am Race-Track. Das Bild des typischen Zuschauers: Matetee in der einen Hand und in der anderen ein Mobiltelefon, mit dem zitternd ein paar Helden eingefangen werden. Als Fahrer fühlt man sich so schnell wie ein Popstar und muss dabei nicht mal singen.

Wer es nicht bis direkt an die  Strecke schafft, der postiert sich an den Tankstellen der Verbindungsetappen. Sobald ein Fahrer dort eintrifft wird er bzw. sie von einer jubelnden Menschenmenge umzingelt, darf geduldig in die rundherum abschussbereiten Kameras lächeln und in sich hinein kichern, wie viele schreckliche Handybilder später stolz im Freundeskreis herumgezeigt werden.

Die Leidenschaft für den Motorsport kennt in Südamerika kaum Grenzen, auch die Serviceteams und Mechaniker werden mit Autogrammwünschen bombardiert. Tragen sie doch unabdingbar zum Erfolg der Fahrer bei. Sollte die Rallye im nächsten Jahr wieder in Südamerika stattfinden, die üblichen Autogrammkarten der Fahrer könnten durch Karten mit Teamfoto ersetzt werden.

Die Energie der Zuschauer gibt unterwegs immer wieder Motivationsschübe, wenn die eigene grade ein Tief hat. Wie zum Beispiel auf der wohl schwersten Etappe von La Rioja nach  Fiambala. Im Flussbett zu Beginn der 180 km Etappe war eine höllische Hitze und im tiefen Sand musste man extrem kämpfen, um überhaupt vorwärts zu kommen. So manches Mal ließ da die Kraft nach, doch aus den Augenwinkeln konnte man oben am Rand der Steilwände fortwährend Zuschauer erblicken, die unermüdlich winkend und anfeuernd den Gedanken an Pause oder gar Aufgeben sofort wieder verscheuchten. Und das über fast 45 km.

Unterwegs, wenn die Schmerzen stark zunehmen und die Motivation damit einhergehend stark auf unter Null abfällt, dann hält der Gedanke an die Zuschauer, die geduldig im Nirgendwo auf ihre Helden warten und sich nichts sehnlicher wünschen, als das wenigstens einer mal bei ihnen anhält, die ermüdeten Rallyefahrer bei der Stange – sozusagen am Lenker. Ich halte durch – wenigstens bis zu den nächsten Fans. Und die wiederum sorgen für so einen Energieschub, mit eisgekühlter Cola, Süßigkeiten und begeisterten Worten, schnell noch ein paar Fotos, um das unglaubliche Erlebnis zu dokumentieren, dass an Aufgabe gar nicht mehr zu denken ist und man seinen Weg der Leiden einfach fortsetzt. Manchmal nur bis zu den nächsten Zuschauern…

Die schnellen Profifahrer brauchen diese Art des Dopings sicher nicht, sind sie doch im Schnitt täglich 2,5 Stunden schneller auf der Wertungsetappe unterwegs, doch auch sie lassen sich von der Begeisterung der Fangemeinde inspirieren.

Auf dem zweiten Teil der 12. Etappe, einer 140 km Motocross-Sandpiste, die in Wellen und Sprüngen durch stachelige Gebüsche verlief, hatten sich auf vielen dieser Hügel Zuschauer postiert, die mit Ferngläsern, Starterlisten und Fotohandys bewaffnet von ihrem Ausguck aus das Spektakel verfolgten. Viele Fahrer hatten an diesem Tag wegen der irren Hitze mit Benzinproblemen zu kämpfen, aber auch dafür waren die Zuschauer bestens vorbereitet. Wo auch immer man anhielt konnte man Nachschub aus der Cola-Flasche bekommen – Offroad-drive-in Tankstellen sozusagen. Ein paar schnelle anerkennende Schläge auf die Schulter und weiter ging es, dem nächsten Tankstopp entgegen. Natürlich wurde niemals vergessen, die Beweisfotos zu schießen.

Eine durchaus erfolgreiche Strategie, den Gegner zu verwirren, hatten sich die argentinischen Teilnehmer ausgedacht. Sie schickten ihre schönsten Mädels in den knappsten Bikinis an die Rennstrecke, damit diese mit vollem Körpereinsatz den Fahrern zujubeln. Das sorgte für einige Flüchtigkeitsfahrfehler, denn die Aufmerksamkeit war schnell mal neben der Strecke.

Rund 4.700 km Wertungsetappen, die sehr unterschiedliche Charakteristika aufwiesen, die ersten beiden Tage waren eher endurolastig, dann folgten eher afrikanische Etappen, gemischt mit einem südamerikanischen Cocktail aus Sand mit Steinen…nicht so geschmeidig zu fahren. Die Landschaft war abwechslungsreich, viele Höhenmeter waren zu erklimmen und auch wieder hinunterzufahren. Die atemberaubendste Abfahrt war die 3 km lange Zieleinfahrt nach Iquique mit einem Gefälle von angsteinflößenden 36%, dazu der Panoramablick über die Küste und das Meer! Man kommt über die Kuppe und denkt nur…uaaahhh, freier Fall. Handstand auf dem Lenker, den Hintern so weit es geht hinter die Sitzbank und dann auch noch ein wenig Gas geben, um das Vorderrad im aufgewühlten Sand nicht einzuparken. Versuchen, das Bike einfach laufen zu lassen und Meter um Meter wird man mutiger und schaltet auf dem Weg nach unten, in die von Zuschauern gesäumte Einflugschneise, noch ein paar Gänge hoch und gibt mutig ein wenig mehr Gas.

Im Ziel der Wertungsprüfungen werden alle Fahrer jeden Tag aufs Neue sehr herzlich von den immer gut gelaunten Jungs und Mädels der Zeitnahme empfangen. Sie gehören zur Armada der Freiwilligen, die diese Rallye am Laufen halten. Das Bivouac sehen sie fast nie, reisen sie doch von einem Etappenziel zum Nächsten.

Im Bivouac wird man ebenfalls herzlich begrüßt, sowohl vom eigenen Team, als auch von den anderen Teams und Teilnehmern. Im Essenszelt trifft man sich, bereitet das Roadbook des nächsten Tages vor und erzählt sich gegenseitig von den aktuellen Erlebnissen des Tages. Auch beim Frühstück sitzen die Profis am selben Tisch wie die Amateure und kämpfen mit den Nudeln mit Tomatensoße.
Unermüdlich überholen Mechaniker jede Nacht die Rallyefahrzeuge und schlafen tagsüber im Servicefahrzeug. Die Fahrer wiederum schlafen während der Nacht kurz und unruhig in den Zelten neben den ständig laufenden Generatoren und bei ohrenbetäubendem Reparaturlärm.

Die Rallye nähert sich dem Ende. Am letzten Abend ist die Atmosphäre im Bivouac deutlich gelöst, alle feiern erleichtert die nahende Zielankunft in Buenos Aires. Nur noch eine Wertungsetappe – 202 km Vollgas geradeaus mit rutschigen 90° Kehren, die natürlich alle von winkenden Zuschauern bevölkert werden.

Die Startcrew absolviert ihren letzten Arbeitseinsatz mit viel Humor und lustigen bunten Karnevals-Hüten, die Damen erhalten ein Blümchen am Start. Und so werden alle Teilnehmer dieser 32. Dakar auf einer Woge der Begeisterung ins Etappenziel, weiter bis nach Buenos Aires und über das Podium im Dakar Village getragen.
Im Ziel fühlen sich alle gleich, Profifahrer wie Amateure, erleichtert, die Strapazen überstanden zu haben, Lösungen für alle angefallenen Hindernisse gefunden zu haben und niemals aufgegeben zu haben. Stolz überqueren alle das Podium und nehmen ihre Auszeichnungen entgegen.

Dakar-Finisher, ein Traum, der durch harte Arbeit, lange Vorbereitung und viel Training wahr wird. Egal ob auf Position 1 wie Cyril Despres oder auf der letzten Position, wo nur das Ankommen zählt. Wer hier ankommt ist ein Sieger.

(mit Tipps und Tricks von Wolfgang Niescher)

Skateboard

Wie ich hörte gibt es Jemanden, der meinetwegen seine Enduro-Karriere an den Nagel hängen möchte und stattdessen aufs Skateboard umsatteln will.
Diesen Entschluss kann ich nur unterstützen…es macht auch riesigen Spaß, man kann es fast überall machen, man muss sich nicht von allen Klamotten trennen, denn einen großen Teil der Schutzausrüstung kann man – vor allem als Anfänger – gut gebrauchen.

Damit die Entscheidung noch leichter fällt möchte ich ihm gern mein altes Skateboard anbieten. 
Einzige Voraussetzung für den Deal: der Aufkleber bleibt drauf und wir wollen Videos von den ersten Stunts sehen!!!

skateboard_tina_meier

girls_kick_ass

Aufs richtige Pferd gesetzt!

Die größte Herausforderung bei der Dakar ist es zunächst einmal, an den Start zu kommen. Das habe ich mittlerweile DREI Mal geschafft. Das Fahren an sich ist dann die Belohnung dafür, die Vorbereitung überstanden zu haben. Sind ja auch nur zwei Wochen…mit der Vorbereitung begonnen habe ich im Juli 2006. An Ausdauer mangelt es mir somit nicht. Eine wichtige Voraussetzung, um diese Rallye dann auch tatsächlich im Ziel zu beenden.

Wichtig ist außerdem Kreativität. Es stellen sich immer wieder unvorhersehbare Hindernisse und Schwierigkeiten in den Weg, der sich fast niemals auf der direkten Luftlinie auf das ersehnte Ziel hinbewegt.
Mein Highlight während der Rallye ist natürlich mein kleiner Ausritt auf dem Pferd.
Auf der 3. Etappe mussten wir direkt vom Start weg – mit vollen Tanks (32l) – ein tiefsandiges Flussbett fahren. Wohin man sah…strauchelnde Motorradfahrer…es war unglaublich. Und dazu diese Hitze, die sich ohne einen Windhauch in dem schmalen Canyon staute. Nachdem ich diese Hölle überwunden hatte, war ich auf dem Weg in den nächsten Kracher…Dünen. Mein Wasser im Camelbak war alle, da bot es sich an, bei den letzten Zuschauern am Wegesrand um Nachschub zu bitten. Kein Problem, sehr gerne. Noch ein Foto – Cowboys mit Pferd – super. Dann kann ich mich ja wieder auf die Socken machen. Upps, da kommen schon die ersten Autos, die lasse ich doch noch eben vorbei, staubt dahinter ja doch ganz schön und mit meinem Wasser muss ich jetzt gut haushalten.
Nächster Versuch das Bike zu starten…der neue Anlasser zieht gut durch, die Batterie ist auch voll…aber nix passiert. Mit Heißstart, ohne, Choke, Gas – kein Gas…nichts. Sie versucht es geduldig, aber anspringen will sie nicht. Verdammt. Ich habe ein Deja-vu. Gestern habe ich mich noch so gefreut, die 2.Etappe erfolgreich beendet zu haben, heute, mitten in der dritten, stehe ich genauso blöd da, wie im Jahr zuvor.
Mobilempfang – negativ.
Da macht mein Cowboy einen tollen Vorschlag: Soll ich dich zum Bivouac bringen??? Ungläubig starre ich ihn an…wieso, wo ist das denn? Dahinten, ca. 2 km von hier. Ja, super, sofort. Ich schwinge mich also auf eins seiner beiden Pferde (genaugenommen hieven sie mich hoch) und reite am Abschleppseil hinter ihm her. Marion schmeißt sich weg, denke ich mir…in Erinnerung an meinen letzten Reitversuch…aber egal. Nützt ja nichts, ich will im Rennen bleiben und dieser Ritt ist meine Chance.

fiambala_spectators

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wolter_van_tarel_fiambala

wolter_van_tarel_fiambala (5)

Wir kommen im Etappenziel an, es ist mir schon ein wenig peinlich, natürlich wird mein Tauschfahrzeug dokumentiert: 1 PS anstatt 50 PS.
Die Frage, ob ich mit meinem Mechaniker als Ratgeber zu meinem Fahrzeug zurückkehren kann, um das Problem zu lösen, wird ausdrücklich bejaht. Super, also noch ein kleiner Fußmarsch, mein Cowboy macht sich derweil an den Rückritt zu seinen Freunden.
Gemeinsam mit Thorsten fahre ich auf einem geliehenen Motorrad zurück zu meinem gestrandeten Bike. Im Gepäck reichlich Werkzeug und div. Ersatzteile. Ein erster Versuch läßt das Bike sofort wieder starten…es stand ja die ganze Zeit im Wind und konnte sich abkühlen. Das Hitzeproblem hatten heute alle Fahrer. Kochendes Benzin und irgendwelche Additive, die die Bikes nicht vertragen…auf die Idee komme ich nicht, wenn es nicht funktioniert. Ich lasse sofort Horrorszenarien vom Ausscheiden in meinem Kopfkino entstehen…

Mediumüberzeugt, das Problem gelöst zu haben setzte ich meine Etappe fort.  Ich rollte das Feld quasi von hinten auf und finde überall gestrandete Fahrzeuge, Autos mit geöffneter Motorhaube in den Wind geparkt…warten auf Abkühlung.
Auch meine HS Teamkollegen treffe ich unterwegs. Sie setzen ihren Weg später am Abschleppseil fort.
Und in den Dünen fand ich dann auch Tamsin Jones. Ihr Bike lag in einem Dünenkessel, sie hatte schon einen ziemlichen Sonnenbrand. Ihr Motorrad schaffte keine Düne mehr, es hatte keine Leistung, daher war sie schon seit ein oder zwei Stunden hier – sie wusste es nicht so genau.
Einfach weiterzufahren brachte ich nicht übers Herz, nach meinem frühen Ausscheiden im letzten Jahr weiß ich, wie enttäuschend das ist. Wieviel Energie man in die Vorbereitung investiert hat, um dann so früh auszuscheiden. Ätzend. Also gab ich Tamsin ein wenig Motivationsunterstützung, schlug vor, einen einfachen Weg, außerhalb der Dünen für uns zu suchen, und mit ihr gemeinsam zu versuchen, ins Ziel zu fahren. Denn was mein Bike anging, war ich mir ja auch nicht so ganz sicher, ob es denn wirklich nur die Hitze war. Wir hatten also zwei Problemfälle, ihr Bike startete super, kam aber keine Anhöhe im Sand hoch, meins fuhr super, ließ sich aber immer erst nach einer sehr langen Abkühlzeit wieder starten, wenn es mal aus war.
So machten wir uns also auf, der sich am Horizont bewegenden Staubwolke entgegen, die uns auf der Ebene den Weg ins Ziel wies.
Dabei ließen wir dann ein paar Wegpunkte aus, wieviele haben wir nicht nachgesehen, in dem Moment war das nicht wichtig oder Gegenstand der Entscheidungsfindung. Später stellte sich heraus, dass es drei waren und bei mir für 20 Stunden Strafzeit sorgten.
Tamsins GPS wurde an dem Tag nicht ausgelesen, sie erhielt für die ausgelassenen Wegpunkte keine Strafzeit.
Sie fuhr das Rennen bis ins Ziel und sie hatte noch reichlich Probleme auf dem Weg dahin. Inkl. ein paar Nachtetappen und Navigationsproblemen, verglichen mit ihr hatte ich ein vergleichsweise leichtes Rennen.

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Buenos Aires – Dakar

Was für ein Erlebnis…das Bad in der Menge, nicht erst bei der Zieleinfahrt, sondern über die gesamten 9.000 Kilometer. Gekrönt wurde das natürlich durch die Überquerung des Podiums – ganz wie ich es mir in meinen Bildern ausgemalt hatte. Sonne, warmer Wind, jubelnde Zuschauer und ich – fahrend auf dem Bike.
Ohne die Unterstützung von euch allen wäre das nicht möglich gewesen. All eure Energie und guten Gedanken haben mich auf der Strecke begleitet. Dafür möchte ich  mich ganz herzlich bedanken. Es hat mir ungemein geholfen, wenn es mal wieder sehr anstrengend war.
In Prozenten lässt es sich nicht ausdrücken, aber der Anteil, den meine Mechaniker an diesem Erfolg haben beträgt mindestens 50% – die restlichen 50% bin ich gefahren. Das eine klappt aber nicht ohne das andere, also haben wir alle 100% dazu beigetragen. Die Mathematiker unter den Lesern könnten das sicher besser ausdrücken, ich möchte damit jedoch ausdrücken, dass es ohne funktionierendes Bike nicht möglich gewesen wäre, diese Rallye erfolgreich zu beenden. Danke Jungs, ihr seid die Besten.

Jetzt düse ich mit dem Bike in den Hafen, um es dort für die Verschiffung abzugeben. Und dann werde ich mich daran machen, allmählich meine Erlebnisse zu bloggen. Gestern wollte ich schon damit beginnen, aber die ganze Fahrerei und danach Feierei hat sich doch deutlich mit einem extremen Schlafdefizit bemerkbar gemacht und ich bin ins Koma gefallen ;)

Also, bitte noch ein wenig Geduld.

Endlich auf dem Podium!

Hurra, jetzt ist es wirklich geschafft!
Tina und Tamsin Jones stehen zusammen auf dem Ziel-Podium in Buenos Aires und sind überglücklich :-) :-)

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