Erfahrungen einer Offroad-Anfängerin im Girls Camp

Erfahrungen einer Offroad-Anfängerin im Girls Camp

Ich sitze am Frühstückstisch einer wunderschönen Kasba in Merzouga. Im Fenster mir gegenüber erheben sich die Dünen des Erg Chebbi. Ein spektakulärer Anblick, müsste ich nicht nebenbei den Enduroerfahrungen der anderen drei Teilnehmer des Girls Desert Camps 2015 lauschen. Offensichtlich habe ausschließlich ich den Passus der Reiseausschreibung ernst genommen, wonach „wirklich gar keine Off-Road Erfahrung erforderlich“ sei. Nun hat sich eine homogene Runde routinierter Off-Road-Expertinnen zusammengefunden. Und ich. Für den Fall, dass sich ein kleines Tränchen aus den Augen schummelt, ziehe ich meine Sonnenbrille auf, nicke den optimistischen Zuspruch der anderen DirtGirls höflich ab, trage mich allerdings mit dem Gedanken in den nächsten Tagen eine wunderschöne Sandburg vor unserer Terrasse zu bauen.
Eine Gnadenfrist erhalte ich, als der erste Ausflug in die Dünen zu Fuß stattfindet. Ich bin begeistert. Laufen kann ich, gerne fühle ich den Rest des Tages die Konsistenz der Dünen an der windab- oder zugewandten Seite unter meinen nackten Füßen. Doch auch diese unbeschwerte Zeit geht vorbei, als Tina auf einen Punkt weit außerhalb meiner Rufweite zeigt und dies zu unserer Hausdüne erklärt, an der wir uns „jeden Morgen austoben“ können. Toben stand nicht auf meiner Agenda, aber um nicht destruktiv zu wirken, werde ich behaupten, einmal dort oben zu stehen könnte mein Wochenziel sein.
Und dann fällt auch schon der unvermeidliche Satz „jetzt aber rein in die Klamotten und rauf auf die Mopeds“.
Nachdem ich die Knieschoner nicht über, sondern unter die Hose gezogen habe und Tina meinen Trinkrucksack um 180 Grad gedreht hat, fühle ich mich zumindest optisch als Halbprofi. Dieser Eindruck wird in dem Moment relativiert, als alle um mich herum fröhlich die KTM aufheulen lassen, während ich noch den Zündschlüssel suche…
Um ein Gefühl für die Maschine zu bekommen, drehen wir einträchtig Kreise und Achten, heben mal das linke und das rechte Bein an und zu meiner Erleichterung scheinen alle Teilnehmer dankbar für diese unspektakuläre Aufwärmphase zu sein.
In der anschließenden Mittagspause lädt Tina mich zu einer Trockenübung an einem Türgriff ein – die richtige Position im weichen Sand sei wie Wasserski fahren. Das klappt an der Tür ganz wunderbar.
Und auch im Sand!
Am Nachmittag tasten wir uns durch verspurtes Gelände an den Weichsand heran und schon am gleichen Abend toben sich alle DirtGirls – wie von Tina prognostiziert – an der Hausdüne aus. Meine Sandburgambitionen sind damit nach einem halben Tag unter Tinas Anleitung gestrichen.
Nicht zuletzt aufgrund einer wundervollen, unangestrengten Gruppendynamik, meistern wir im Laufe der Woche ungeahnte Herausforderungen. Und wenn Tina an einer besonders hohen Düne jede einzeln befragt, ob sie fahren oder umkehren will und nur ein DirtGirl bereit ist, das Herz in den Abgrund zu werfen und sich hinterher zu stürzen, dann ist klar: jetzt folgt auch der Rest.
Eine der schönsten Erfahrungen der Woche war, dass ausnahmslos alle DirtGirls die gleiche Strecke gemeistert haben. Das nicht minder schöne: wenn es nicht so gewesen wäre, hätte es sicher nur Trost und Zuspruch gegeben.

Damaris

Einen kleinen Zusammenschnitt unserer Erlebnisse gibt es in diesem Dirtgirls in MarokkoVideo zu erleben…. Musik: “All and all” Tangowerk…die Sängerin Ina düst nebenbei auch durchs Bild…ihr erkennt sie an den blau-pinken Klamotten.

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